Februar 01, 2019 2 translation missing: de.blogs.article.read_time

Die schöne Geschichte um diesen Brandy beginnt vor ungefähr 200 Jahren im atlantischen Teil Andalusiens: Da entsteht der sogenannte Brandy de Jerez – hauptsächlich aus den Rebsorten Palomino, Pedro Ximénez und Muskat d’Alexandria. Die Böden sind hier besonders fruchtbar, es herrscht ein mildes Mikroklima, das sorgt für besondere Weine und eine gute Grundlage. Denn nach der Weinlese im September wird der Most der zweiten Pressung gleich weiter destilliert. Aber nicht der sogenannte Vor- und Nachlauf, nein, man will etwas Besonderes schaffen, etwas königliches. Also wird für den Carlos I (oder Carlos 1) nur das sogenannte "Herz" verwendet. Der Laie würde auch sagen, der Mittelstrahl – aber das klingt irgendwie so gar nicht mehr lecker. Sorry.

Weicher, harmonischer Brandy, mit Aromen von Feigen

Carlos I Solera Gran Reserva Extra Old Brandy de Jerez (1 x 0.7L)

Top-Bewertungen

Osborne Carlos Imperial Brandy (1 x 0.7 l)

Brandy de Jerez

Herz also. Herz! Bitte nur noch daran denken… Dieses Herz-Destillat kommt anschließend noch in Sherry-Fässer aus amerikanischem Eichenholz. Und dort lagert es dann. Und lagert. Und lagert. Ganze zehn Jahre lang. Dann ist der Brandy de Jerez mit seiner warmen Mahagoni-Farbe endlich fertig und darf in seine ganz eigentümliche Flasche: Spanische Grandezza für einen weichen und aromatischen Solera Gran Reserva.

Brandy, oder zu deutsch: Weinbrand ist ein in der EU geschützter Begriff. Der Alkoholinhalt von Spirituosen, die diesen Namen tragen, muss vollständig aus Wein stammen und mindestens 36 Volumenprozent betragen.

Die andere Geschichte sagt, der Carlos 1 ist von Osborne, einem traditionsreichen Familienunternehmen (die mit dem Stier als Markenzeichen) aber eben auch ein Massenhersteller von allerlei Spirituosen. Das klingt dann vielleicht nicht mehr ganz so verträumt und wildromantisch. Aber immer noch besser als Mittelstrahl, oder?

Immerhin kann man sich noch damit trösten, dass "Brandy de Jerez" weltweit der einzige Brandy mit einer von der EU zugelassenen Herkunftsbezeichnung ist…

Königliche Spezialität aus Spanien

Seinen noblen Namen verdankt der Brandy übrigens tatsächlich dem spanischen König Carlos I (1500 bis 1558). Hierzulande dürfte der Herrscher bekannter unter seinem anderen Namen sein: 1530 krönte ihn Papst Clemens VII. als Karl V. zum letzter römisch-deutschen Kaiser.

Und es war nicht nur ein kluger Marketing-Schachzug, den Brandy so zu nennen. Der Geschmack ist für einen Weinbrand wirklich ganz nobel, jedenfalls in der Preisklasse (Zum Beispiel bei Amazon für rund 23 Euro): Unverkennbar die starke Sherry-Kopfnote aus Mandeln, Walnüssen und etwas Kirsche. Später am Gaumen unglaublich zarter Schmelz – Weinbrand wäre hierfür definitiv das falsche Wort. Da brennt nix. Allenfalls im Abgang ziehen die enthaltenen 40 Vol.% natürlich noch mal an. Aber das ist normal. Ein wirklich feiner Brandy – mit einer schönen Geschichte und einem Finale, das Spaß im Glas macht.