Was für eine Geschichte! Irgendwann in diesem Jahr erschien plötzlich Rudy Kurniawan auf der Bildfläche in New York und erstaunte die Weinkennerwelt. Nicht nur, weil der junge Mann mit profundem Weinwissen glänzte – er handelte zugleich mit seltenen und sehr alten Weinen zu unglaublichen Spitzenpreisen.

Bei so viel Weinkenntnis kaufte man Kurniawan schnell ab, dass er der Mann mit dem richtigen Riecher für Schnäppchen sei – und orderte fleißig Flaschen… So etwa auch der Industrielle und Milliardär Bill Koch, der mal eben 219 Flaschen zum Gesamtpreis von 2,1 Millionen Dollar bei Kurniawan erstand.

Ein lohnendes Geschäft. Dann platzte die Bombe.

 

Achtung Weinfälschung

Alles Fake. Eine riesige Weinfälschung. Rudy Kurniawan hatte schlicht den Geschmack beispielsweise von raren, alten Bordeaux-Weine zusammengepanscht. Dabei mixte er – durchaus geschickt – junge kalifornische Weine und ein paar alte (aber nicht ganz so gute) französische ineinander, um den Blend und das Aussehen eines raren edlen Tropfens zu simulieren.

Das Resultat beklebte er freilich noch mit frisierten Etiketten, und der Bluff war perfekt. Jedenfalls solange, bis er aufflog. Bis dahin hatte er allerdings Sammler und Auktionshäuser zwischen den Jahren 2004 und 2012 um mehr als 21 Millionen Dollar betrogen.

Gestern wurde Kurniawan von einer Jury in einem New Yorker Gerichtssaal des Betrugs in mehreren Fällen für schuldig befunden. Ergebnis: 10 Jahre Gefängnis.

Was uns die Geschichte lehrt

Und die Moral von der Geschichte? Sie lehrt uns gleich dreierlei:

  • Es ist offenbar möglich, selbst den Geschmack von alten und edlen Weinen durch geschicktes assemblieren zu simulieren. Ein wirklicher Weinkenner wird den Unterschied wohl immer noch schmecken. Die große Mehrheit aber nicht. Was uns zum zweiten Punkt bringt…
  • Geschmack ist keine Frage des Preises. Ganz oft werden Etiketten und Preise als Qualitätssignal gelesen – je teurer der Wein, desto besser muss er wohl sein. Preise rechtfertigen sich dann durch sich selbst, eine Art selbsterfüllende Prophezeiung. Aber totaler Quatsch. Als Statusprodukt bringt der Kauf eines teuren Weines vielleicht noch einen Mehrwert an Ansehen mit sich: Man lässt sich den Genuss etwas kosten. Mit Geschmack hat das allerdings weniger zu tun.
  • Der Betrug flog unter anderem auch deshalb lange nicht auf, weil viele Weinsammler solche alten Tropfen nie öffnen oder gar trinken. Sie werden wie eine Art Trophäe in Weinkellern eingelagert und gelten manchem als Investment. Schade.

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