Dezember 05, 2018

Es ist der 3. September 2018. Für viele Winzer ist zu diesem Zeitpunkt bereits der Startschuss für die Weinlese gefallen - so früh wie noch nie zuvor! Ein ausgesprochen langer, trockener und heißer Sommer waren maßgeblich dafür verantwortlich. 

Als Freund und Unterstützer, aber auch mit einer ordentlichen Portion Neugier, war ich einen Tag lang Gast-Erntehelfer beim Weingut Josten & Klein. Das Besondere bei Josten & Klein ist, dass das Weingut beide Anbaugebiete an Mittelrhein und der Ahr für den Weinbau nutzt. Gebietstypisch werden Früh- und Spätburgunder, sowie weitere rote Rebsorten an der Ahr angebaut. Für den Weißwein-Anbau nimmt Winzer Marc Josten den Weg an den Mittelrhein auf sich, immerhin über 30 km inkl. Rheinüberquerung mit der Linzer Rheinfähre. An der mittelrheinischen Leutesdorfer Gartenlay angekommen, widmeten wir uns heute der Lese der Sauvignon Blanc Trauben.

Harte Arbeit und gesundes Lesegut

Mit 8 Helfern an der Zahl starteten wir morgens gegen 8:15 Uhr mit der Lese. Oben an dem schmalen Weg angefangen ging es nun bei über 45° Gefälle ca. 200m hinab bis zum unteren Ende der Parzelle. Jedem Erntehelfer wurde jeweils eine Reihe zugewiesen. Geerntet wurde lediglich von einer Seite. Hier war besondere Sorgfalt gefragt, sodass keine Trauben unnötigerweise hängenblieben.

Glücklicherweise spielte uns das Wetter mit angenehmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein in die Karten. Dennoch merkte ich schnell, für unerfahrene Teilnehmer wie mich sollte die Steillagen-Ernte auf steilem, unbefestigtem Schiefergeröll am nächsten Tag einen intensiven Muskelkater in den Beinen und dem Gesäß bedeuten. 

Aller Anstrengung zum Trotz waren es zwischendurch immer wieder genussvolle und zufriedene Momente im Weinberg, bei denen die atemberaubende Natur der Leutesdorfer Gartenlay und des Rheintals entlohnten. 

Blick Rhein Leutesdorf Gartenlay

Mutter Natur meinte es gut mit den Winzern und Lesehelfern in diesem Jahr. Alle Trauben waren saftig und kerngesund. Üblicherweise wird an diesem Punkt bereits selektiert und nur gesunde Trauben gelesen. Faule oder vertrocknete Trauben kommen nicht in die Kiste. Das steigert die Qualität des Produktes und erlaubt einen feineren Ausbau bei der Vinifizierung. In diesem Jahr ernteten wir die Sauvignon Blanc Trauben mit ca. 90° Oechsle. Daraus sollte später ein eleganter, fruchtig-frischer 2018er Sauvignon Blanc mit typischer Würze und Schiefer-Mineralik werden. Hier könnt ihr den Wein aus der gehobenen Glanzstück-Kollektion (frühere Jahrgang) übrigens in unserem Shop kaufen. Hier gibt´s den rustikaleren Schiefer Sauvignon Blanc. Der aktuelle Jahrgang muss noch bis zum nächsten Jahr reifen und ist noch nicht abgefüllt.

Sauvignon Blanc Lesegut

Vom Rebstock in die Kiste

Traubenlese in der Steillage bedeutet in diesem Fall, dass die Trauben in Kisten gelesen und, sobald sie voll waren, zwischen zwei Rebstöcke gestellt wurden. Bei 8 zeitgleich bearbeiteten Reihen wurden die vollen Kisten jeweils zur Mitte durchgereicht, um dort anschließend von einem Seilzug-Kettenfahrzeug einsammelt und nach oben transportiert zu werden. 

Seilzug Kettenfahrzeug

8 Stunden später am Nachmittag waren es 27 Reihen, die wir gelesen haben. Das entspricht ca. 0,5ha Rebfläche. Spätestens jetzt wurde mir bewusst, welcher Aufwand betrieben werden muss, um Wein in der Steillage zu produzieren. Dazu muss man wissen, dass der Winzer praktisch das ganze Jahr im Weinberg zu tun hat. Nach der Lese ist vor dem Rebschnitt. So bleibt das ganze Jahr über was zu tun. 

Und was passiert mit dem Lesegut?

Die Trauben sind jetzt frisch geerntet und werden in großen Behältern auf einem Hänger zum Weingut transportiert. Dort werden Sie direkt schonend gepresst und weiterverarbeitet. 

Mein Fazit: Das war es Wert!

Erschöpft und mit süßem Rebsaft verdreckt verliebte ich mich an diesem Abend erneut in mein Sofa. Der Tag hat Spaß gemacht und ich habe viel dazugelernt über den Weinbau und die Lese an den Steillagen des Mittelrheintal. Ähnlich ist es auch an der Ahr.

Zufrieden und dankbar und mit einem verdienten Gläschen Sauvignon Blanc war es ein gelungener Ausklang für diesen spannenden Tag im Weinberg. 

Ich bin sicher, das war nicht mein letzter Tag im Weinberg und freue mich nächstes Jahr wieder mit anpacken zu dürfen. 

Unsere Winzer und ich sind dankbar für die Wertschätzung und Anerkennung für regionalen Weinbau. Die Steillagen entlang der Rheinschiene sind prägend für das Landschaftsbild in der Region. Wer regionale Weine kauft, trägt ohne Umwege zum Erhalt dieser Kulturlandschaft und dem traditionellen Weinbau in der Region bei!

Die Kosten für eine Flasche Wein mögen im Vergleich zu Wein aus fernen Ländern oder Nicht-Steillagen etwas teurer sein. Wer sich einmal mit dem deutschen Mindestlohn für Erntehelfer, der mühseligen Handarbeit statt Vollernter-Maschinen im Weinberg und der dadurch verbesserten Handlesequalität der Trauben auseinander setzt, dem wird schnell bewusst, dass der Preis für eine gute Flasche Wein aus dem Steillagen-Weinbau gerechtfertigt ist.

Wer jetzt Lust auf einen guten und fair produzierten Wein hat, hier geht´s zu unserem Rhein-Ahr-Wein Shop!

 


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